«Ich kann nicht mehr…»

Kennen Sie diese Aussage? Vielleicht kommt noch ein «Und ich will auch nicht mehr» dazu? Sie waren doch eigentlich immer eine offene und positive Person, mit viel Energie und Engagement in allen Lebensbereichen. Und nun fragen Sie sich: Was geschieht mit mir?

Vor ein paar Tagen fand ich eine Nachricht auf meiner Mailbox. Die Tonqualität war sehr schleht, ich konnte die Message kaum verstehen. Bruchstücke davon waren: «Ich arbeite als Krankenschwester auf der Intensivstation», «ich bin sehr müde» und «ich kann nicht mehr». Aus diesen Sätzen sprechen Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit. Die Energiereserven sind aufgebraucht, und es scheint keinen Ausweg mehr zu geben. Wenn die Batterien leer sind und die Verzweiflung gross: Was können wir in solchen Situationen noch dagegenhalten?

Stopp: Perspektivenwechsel im Sinne der Positiven Psychologie

Die Positive Psychologie ist die Wissenschaft vom gelingenden und erfüllten Leben und befasst sich mit der Frage, wie das psychische Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung eines Menschen nachhaltig unterstützt werden können. Der Ansatz lädt ein, neu zu denken und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie befasst sich mit den Stärken und ergänzt damit die Psychologie, die sich oft mit den Schwächen befasst. Es werden Interventionen entwickelt, die das Wohlbefinden steigern, nicht nur das Leiden lindern sollen.

Bewusst innehalten, analysieren und üben, üben, üben

Wenn wir unter Druck stehen, keine Energie mehr haben und in negativen Gedankengängen gefangen sind, ist es wichtig, dass wir gezielt innehalten. Dass wir uns bewusst werden, in welcher Situation wir stecken und warum es dazu gekommen ist. Erst dann können wir Strategien entwickeln, um uns aus der schwierigen Lage zu befreien. In fast allen belastenden Situationen und auch unter ungünstigen Rahmenbedingungen gibt es unter Umständen auch (kleine) Momente der Freude und der Zuversicht, die uns Energie zurückgeben können. Entscheidend ist, wo der Fokus der Aufmerksamkeit gelegt wird. Es gibt Möglichkeiten, aus dem erschöpfenden «Hamsterrad» auszusteigen und mit bewussten Perspektivenwechseln einen anderen Blick einzunehmen.

Die Positive Psychologie zeigt uns verschiedene Elemente, wo wir ansetzen können:

Die Grundlage: Entdecken Sie Ihre Charakterstärken und wenden Sie sie an!

«Wo Licht ist, da ist auch Schatten», hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. Oder vielleicht kennen Sie das Prinzip von Yin und Yang, dass eine Schwäche immer einen positiven Kern hat. Im Sinne der Positiven Psychologie formuliert, heisst das: Das Licht im Schatten zu erkennen oder den positiven Kern in der Schwäche zu sehen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, über welche Charakterstärken sie verfügen und können sie deshalb auch nicht bewusst einsetzen.

Sie möchten mehr über Ihre Stärken herausfinden? Machen Sie den Charakterstärkentest: www.charakterstaerken.org

Übung:
Stellen Sie sich jeden Abend die Frage:

  • Welche Charakterstärke hat mir heute in einer bestimmten Situation geholfen?
  • Welche Aktivitäten sind mir heute leicht von der Hand gegangen? Weshalb?
  • Wann habe ich mich das letzte Mal bei der Arbeit besonders lebendig gefühlt?

Führen Sie ein Tagebuch, und schreiben Sie Ihre Antworten auf. Sie werden merken: Die Auseinandersetzung mit Ihren Stärken gibt Ihnen neue Energie!

P-E-R-M-A: 5 Elemente zu mehr Wohlbefinden

1. Positive Gefühle

Positive Gefühle sind für unser Wohlbefinden wichtig. Sie sind angenehm, öffnen das Bewusstsein für Neues und Unbekanntes. Positive Gefühle erweitern unseren Horizont und schaffen neue Ressourcen (und Resonanzen). Positive Gefühle machen uns widerstandfähiger, also resilienter.

Übung:
Erinnern Sie sich regelmässig an positive Situationen und versuchen Sie, diese mit möglichst vielen Sinnen nachzuerleben: Was habe ich gesehen? Gehört? Wie hat es gerochen? Geschmeckt? Übertragen Sie dieses gute Gefühl auf eine schwierige Alltagsituation. Stellen Sie sich möglichst konkret vor, wie Sie diese erfolgreich gelöst haben und wie es Ihnen dann damit ergehen wird. Wir Menschen verfügen über eine starke Vorstellungskraft und könne diese gezielt nutzen (Mentaltraining).


2. Engagement (Beschäftigung)

«Wo ein Begeisterter steht, da ist der Gipfel der Welt» (Joseph Freiherr von Eichendorff). Wenn wir uns auf jene Dinge fokussieren, die wir voll und ganz geniessen und die uns wichtig sind, können wir im Moment aufgehen. Wir brauchen Aufgaben, die uns begeistern können, wo wir engagiert sind und die uns in einen sogenannten «Flow» bringen können.

Übung:
Wofür engagieren Sie sich? Für welches Ziel wollen Sie sich einsetzen? Was treibt Sie an? Was ist Ihnen wirklich wichtig? Sie werden sehen: Es werden sich Türen öffnen und Perspektiven zeigen – das gibt neuen Schwung!


3. Relationship (Beziehungen)

Beziehungen sind ein tragendes Element für unser Wohlbefinden. Jede und jeder von uns braucht jemanden. Wir erhöhen unser Wohlbefinden und teilen es mit anderen, indem wir enge Beziehungen mit Menschen in unserer Umgebung aufbauen: Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn, etc. Umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen gut tun, Ihnen Energie geben!

Übung:
Visualisieren Sie Ihr Beziehungsnetzwerk. Von welchen Personen fühlen Sie sich respektiert? Wer macht Ihnen Mut, wenn Sie es brauchen? Von wem fühlen Sie sich akzeptiert, so wie Sie sind? Wer freut sich mit Ihnen, wenn es Ihnen gut geht? Wer feiert mit Ihnen Ihre Erfolge?


4. Meaning (Sinn)

Die Frage nach dem «Warum» zeigt uns den Sinn einer Handlung oder einer Tätigkeit. Viele kennen diese existenziellen Fragen: «Warum bin ich hier?», «Warum tue ich, was ich tue?», «Was steht für eine Vision dahinter?». Wenn wir Zeit für etwas aufwenden, das grösser ist als wir selbst, was für uns Sinn ergibt, wachsen wir über uns hinaus und es erschliessen sich neue Energiequellen. Beispiel können sein: Religiöse Überzeugung/Glaube, Familie, Gemeinschaftsarbeit, Politik, berufliches Ziel etc.

Übung:
In Krisen können die folgenden Fragestellungen wichtig und unterstützend sein:

  • Was ist jetzt für mich wichtig und entscheidend?
  • Wofür könnte das gut sein?
  • Welcher grössere Zusammenhang wird nun wichtig?

5. Accomplishment (Zielerreichung)

Ein Ziel zu erreichen, macht glücklich und gibt neue Energie. Es ist ein wesentlicher Bestandteil für das Wohlbefinden eines Menschen. Es wird viel Zeit und Kraft investiert, um Ziele zu erreichen. Ziele werden am ehesten erreicht, wenn sie mit einem positiven Gefühl besetzt sind. Wir alle brauchen Erfolge. Um Wohlbefinden und Glück zu erreichen, müssen wir im Stande sein, unsere bereits erzielten Erfolge im Leben zu sehen und uns zu sagen: «Ich habe es geschafft, ich habe es gut geschafft». Welche Ziele wollen Sie erreichen? Mit welchen Gefühlen sind diese verbunden?

Übung:
Worauf sind Sie stolz? Was haben Sie erreicht? Wie können Sie Ihre kleinen und grossen Erfolge bewusst erleben und sich darüber freuen? Machen Sie am Morgen eine To-do-Liste mit Ihren kleinen und grossen Zielen. Sobald Sie ein Ziel erreicht haben, haken Sie es auf Ihrer Liste ab und feiern Sie es: Gönnen Sie sich etwas, erzählen Sie es Freunden, machen Sie sich selbst eine Freude.


Anwendung der Positiven Psychologie im Alltag – ich bin für Sie da!

Dies war nur ein kleiner Einblick in die Wissenschaft der Positiven Psychologie, die viele Möglichkeiten bietet, sich auch aus schwierigen Situationen zu befreien. Je mehr Sie sich damit auseinandersetzen und die Methoden im Alltag durchführen, desto mehr wird es Ihnen gelingen, zu mehr Ausgeglichenheit und Energie zu gelangen. Wenn Sie mehr über die konkrete Anwendung der Positiven Psychologie im Alltag erfahren möchten, besuchen Sie meine Website, schreiben Sie mir oder rufen mich an! Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme!

Ich wünsche Ihnen einen positiven Rutsch ins neue Jahr und viel Kraft und Optimismus für die kommende Zeit!

Herzliche Grüsse, Liliane Blurtschi

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