Photo by Pedro Sandrini from Pexels

Obwohl so viel Positives um uns herum geschieht, haben wir Menschen die Tendenz, uns auf das Negative zu fokussieren. Dies hat einen evolutionsgeschichtlichen Hintergrund: Das katastrophische Denken, das für unsere Ahnen überlebenswichtig war, prägt unsere Gehirne und damit unsere Wahrnehmung bis heute. Neue Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie zeigen: wir können bewusst unser Erleben steuern und durch positive Emotionen in eine “Positivspirale” kommen. Bei regelmässigem Erleben von positiven Gefühlen werden wir offener, kreativer und resilienter.

Eigentlich hatte alles so gut begonnen…

Ich musste mein Auto zum Service in die Garage bringen und kam ohne Stau am Ziel an. Ich konnte die Fahrt sogar geniessen, strahlte mir doch die Sonne ins Gesicht. Genauso hatte ich es mir vorgestellt… cool! Um die Zeit zu nutzen, bis ich mein Auto wieder in Empfang nehmen konnte, hatte ich mir meine tollen On-Turnschuhe angezogen und wollte bei einem Spaziergang die schöne Natur und die Sonne geniessen. So machte ich mich auf die Suche nach einem schönen Feldweg, den ich dann auch fand.

Es fühlt sich so seltsam an – was ist los?

Kaum war ich unterwegs, bekam ich das Gefühl, dass meine Beine immer schwerer wurden, und ich schaute ganz verwundert auf meine Schuhe… Das durfte ja nicht wahr sein: Die ganze Sohle, mit all ihren Löchern und Vertiefungen, war verstopft mit einer klebrigen Schlamm- und Erdmasse, die sich offenbar durch den gestrigen Regen auf dem Weg gebildet hatte. Da nützte alles Stampfen und Ausklopfen nichts – Ich wurde den Matsch unter meinen Sohlen einfach nicht los.

Von jetzt auf gleich: Nichts als Ärger

Die schöne Umgebung, die frische Luft, der blaue Himmel, das herbstliche Licht, die strahlende Sonne: Alles war mit einem Schlag in den Hintergrund gerückt. Ich ärgerte mich über den schlammigen Weg, meine schmutzigen Schuhe, meine schweren Beine und über die Tatsache, dass ich der Situation nicht entkommen konnte. All meine Bemühungen, mich auf das Schöne, das zur Genüge um mich herum war, zu fokussieren, misslangen. Meine negativen Emotionen hatten mich voll im Griff. Endlich kam ich an einer Waldhütte mit einem Brunnen vorbei, und es gelang mir, mich von meiner «Last» halbwegs zu befreien. Danach konnte ich den Rest meines kleinen Ausfluges noch einigermassen geniessen, meine Laune hellte sich auf und ich war mit der Situation wieder versöhnt.

Katastrophierendes Denken und positive Emotionen

Kennst du solche Erlebnisse auch? Ja, diese Geschichte klingt banal. Und doch begegnen uns täglich Dinge und Situationen, die uns ärgern, wütend machen und die wir negativ bewerten. Dadurch geraten wir schnell in eine negative Denkspirale und finden daraus nur mehr schwer heraus, obwohl doch auch so viel Gutes passiert. Warum ist das so?

Die Wirkung positiver Gefühle

Barbara Fredrickson ist eine Wissenschaftlerin, die sich mit dem Aufbau und der Wirkung von positiven Gefühlen befasst. Sie stellt fest, dass wir von unseren Vorfahren das «katastrophisierende Denken» in uns tragen. Das heisst, dass das Negative einen höheren Stellenwert in unserem Leben einnimmt als das Gute. Für unsere Ahnen war dieses Verhalten überlebenswichtig: Der Mensch hat als Art nur überlebt, weil er sich auf das konzentrierte, was schieflaufen konnte, und nicht darauf, was «problemlos» verlief. Heute ist unser direktes Überleben in der Regel gesichert, aber dieses auf Gefahren und Probleme orientierte Gehirn besitzen wir auch heute noch. Das, was gutgeht, das Schöne und Positive, wird oft gar nicht bewusst registriert. Das ist schade, weil positive Gefühle unglaubliche Kraft haben, uns kreativer werden lassen und unsere Wahrnehmung erweitern.

«Broaden-and-build» – Durch Perspektivenwechsel in die positive Aufwärtsspirale

Die gute Nachricht ist: Die Vormachtstellung des Negativen kann aufgebrochen werden. Barbara Fredricksons Forschungsarbeiten belegen: Es ist jedem Menschen möglich, eine positive Grundeinstellung aufzubauen und damit konkret Einfluss auf seine Gefühlslage zu nehmen. Regelmässige gute Gefühle führen zu besserer Gesundheit und zu emotionaler Stabilität («broaden-and-build-Theorie»).

So wie wir die «Negativspirale» kennen, die uns nach unten zieht, gibt es auch die «Positivspirale» nach oben. In diese Spirale schaffen wir es dann, wenn wir positive Gefühle immer wieder erleben, bewusst danach suchen und sie verstärken. Unbewusst tun wir das häufig schon; wir nehmen es aber nicht so wahr, weil unser Fokus auf den «nicht gelungenen» Dingen im Leben liegt. Ein Perspektivenwechsel lohnt sich!

Interessiert an einem Coaching für Deinen ganz persönlichen Perspektivenwechsel und Deine «Aufwärtsspirale»? Dann melde Dich bei mir!

Herzliche Grüsse,
Liliane Blurtschi

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